Unser Behandlungsfehler-Management

Wir unterstützen Sie als Ihre Krankenkasse, wenn Sie einen Verdacht auf einen Behandlungsfehler haben. Hier erfahren Sie, wann von einem Behandlungsfehler auszugehen ist und was in diesem Fall zu tun ist.

Wenn Ärzte irren

Das Vertrauen der Patienten in ihren Arzt ist in Deutschland beruhigend stark und über die Jahre hinweg stabil. Trotzdem kann es auch zwischen Arzt und Patient zu Verdachtsmomenten für eine fehlerhafte Behandlung kommen.

Was ist ein Behandlungsfehler und wer trägt die Beweislast?

Als Behandlungsfehler werden Eingriffe von Ärzten und Zahnärzten bezeichnet, die nicht ordnungsgemäß oder sorgfältig nach den geltenden medizinischen Standards vorgenommen werden.

  • Beispiele für Behandlungsfehler sind
  • Stellung einer falschen Diagnose
  • Unzureichende Aufklärung über Risiken
  • Behandlung eines nicht erkrankten anstelle des kranken Körperteiles
  • Nicht fachgerecht durchgeführte Eingriffe

In einem Arzthaftungsprozess muss der Patient also beweisen,

  • dass ein Behandlungsfehler stattgefunden hat
  • dass der beklagte Arzt diesen Fehler zu verantworten hat
  • dass er als Patient einen Schaden erlitten hat
  • und dass gerade dieser Fehler Ursache für den erlittenen Schaden war

Eine Umkehr der Beweislast und Schadenersatzanspruch

Wird von einem „groben Behandlungsfehler“ ausgegangen, so kehrt sich die Beweislast zugunsten des Patienten gemäß des neu eingefügten § 630 h Abs. 5 BGB um: Es wird nunmehr gesetzlich vermutet, dass der beim Patienten eingetretene Schaden auf den Fehler des Arztes zurückzuführen ist. Der Arzt muss nun seinerseits beweisen, dass dies nicht stimmt. Schadenersatzansprüche können geltend gemacht werden, wenn der Gesundheitsschaden ohne den Behandlungsfehler gar nicht erst eingetreten wäre.

Der erste Schritt – das Gespräch mit dem betreffenden Arzt

Für das Gespräch mit dem Arzt, der den angenommenen Behandlungsfehler zu verantworten hat, bereiten Sie bitte folgende Unterlagen auf:

  • Angaben über Art, Zeitraum und Ort der Behandlung
  • chronologische Beschreibung des Behandlungsverlaufs
  • Liste beteiligter Ärzte
  • Begründung des Verdachts auf einen Behandlungsfehler und Beschreibung des konkreten Fehlers in der Behandlung
  • Beschreibung des daraus resultierenden Gesundheitsschadens

Kommt es in diesem Gespräch zu einer Einigung (Anerkennung oder Verwerfen des Verdachtes) werden Sie zusammen mit Ihrem Arzt alle weiteren Schritte planen. Gegebenenfalls ist es zur Feststellung des Schadens und der Regelung von Schadenersatzansprüchen notwendig ein Gutachten einzuholen. Ein Gutachten einzuholen ist in jedem Fall angezeigt, wenn es mit dem Arzt zu keiner Einigung kommt. Um ein Gutachten zu bekommen gibt es drei Vorgehensweisen, von denen zwei für Sie als Patient kostenfrei sind.

Grundsätzlich:

Ist das Gespräch mit dem Arzt besonders schwierig verlaufen und möglicherweise zum handfesten Streit geraten, können Sie die Beschwerdestellen der Landesärztekammern einschalten. Diese erreichen Sie unter den gleichen Adressen, die Sie auch für den Kontakt zu den Schlichtungsstellen nutzen (siehe nebenstehender Link zur Adressliste).

Das kostenfreie Gutachten – vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK)

Sobald Sie die Notwendigkeit eines Gutachtens sehen, nehmen Sie bitte Kontakt zu uns auf. Zuständig in der BKK VerbundPlus sind die Kolleginnen und Kollegen des Patiententeams in Biberach, das Sie unter der Telefonnummer 07351/ 18 24 – 45 (ersatz@bkkvp.de) erreichen. Wir benötigen zu Ihrer Unterstützung die folgenden Unterlagen, die Sie uns in gesammelter Form zuleiten sollten:

  • ein Gedächtnisprotokoll zur Behandlung, in deren Verlauf der Fehler vom Arzt gemacht wurde
  • alle Aufzeichnungen, die Sie für das Arztgespräch erstellt haben sowie eine Zusammenfassung des Gespräches mit dem Arzt
  • medizinische Behandlungsunterlagen und Bildaufnahmen
  • eine Erklärung zur Entbindung von der Schweigepflicht

Aus diesen Unterlagen, die wir an den MDK weiterleiten, wird ein fundiertes medizinisches Gutachten erstellt. Wir beraten und begleiten Sie bei diesem Prozess kontinuierlich und verlässlich. Mit dem Ergebnis des Gutachtens können Sie weitere Schritte prüfen.

Die ebenfalls kostenfreie Gutachten-Alternative – über die Schlichtungsstellen der Ärztekammern

In den Landesärztekammern (Adressen siehe nebenstehender Link) kümmern sich Schlichtungsstellen um die außergerichtliche Klärung von Streitfällen zum Thema Behandlungsfehler. Auch die Schlichtungsstellen sind in der Regel direkt ansprechbar. Für die Arbeit der Schlichtungsstellen bereiten Sie die Unterlagen entsprechend dem im Zusammenhang mit dem MDK genannten Umfang auf und leiten diese an die Landesärztekammer weiter. Auch von dieser Seite erhalten Sie ein fundiertes medizinisches Gutachten, das die Grundlage für Ihr weitere Vorgehen sein kann.  

Schadenersatzansprüche können Sie geltend machen, wenn das Gutachten einen Behandlungsfehler bestätigt

Ihre individuellen Ansprüche auf Schadenersatz und (ggf.) Schmerzensgeld können Sie im Rahmen einer zivilrechtlichen Klage geltend machen. Beauftragen Sie an diesem Punkt des Prozesses einen Fachanwalt für Medizinrecht mit der Wahrung Ihrer Interessen. Einen derart spezialisierten Anwalt können Sie erfragen beim

Deutschen Anwaltsverein (DAV) e. V.
Littenstraße 11
10179 Berlin
Telefon +49 (30) 72 61 52 – 0
Fax +49 (30) 72 61 52 – 190
dav@anwaltverein.de

Wichtig: die Verjährung

Die Verjährungsfrist für Ansprüche aus Behandlungsfehlern wie Schadenersatz oder Schmerzensgeld beginnt am Ende des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist und beträgt drei Jahre.