Die unterschätzte Gefahr
Deutschland gilt seit 2008 offiziell als tollwutfrei. Dadurch ist die Erkrankung hierzulande für viele Menschen kaum noch präsent. Genau das birgt auf Reisen ein Problem: Weil die Krankheit bei uns fast vergessen ist, wird ihr Risiko in anderen Weltregionen leicht unterschätzt. Wo du aufpassen solltest und warum Tollwut nicht unterschätzt werden darf, liest du hier.
Dass wir hierzulande keine Tollwut mehr haben, verdanken wir einer groß angelegten Immunisierung von Füchsen, die lange als Hauptwirte der Erkrankung galten. Mehr als 10 Millionen Impfstoffköder halfen seit den 1980er Jahren dabei, die Verbreitung einzudämmen. Das gilt allerdings nicht für alle Teile der Welt.
In diesen Regionen herrscht weltweit eine hohes Tollwutrisiko
- Afrika
- Südasien
- Südostasien
Hier kann eine Tollwuterkrankung Menschen innerhalb kurzer Zeit in eine lebensbedrohliche Situation bringen. In Sri Lanka sind beispielsweise im ersten Quartal 2026 bereits 14 Menschen an der Tollwut verstorben. Europäische Regionen mit einem erhöhten Risiko sind:
- Belarus
- Russland
- Ukraine
Aber auch in anderen Ländern – vor allem Ost-Europas – kann nach verdächtigem Tierkontakt eine ärztliche Abklärung notwendig sein.
Warum Tollwut so gefährlich ist
Tollwut gehört zu den tödlichsten Infektionskrankheiten. Das Besondere an ihr ist vor allem der Zeitpunkt, zu dem sie behandelbar ist. Sobald die ersten Krankheitssymptome auftreten, gibt es für Betroffene keine Heilungs-Chance mehr. Deswegen ist es elementar, nach einem Tierkontakt sofort zu handeln.
Typische Symptome bei von Tollwut infizierten Tieren sind:
- Verhaltensauffälligkeiten: Tiere wirken ungewöhnlich aggressiv, greifen ohne ersichtlichen Grund an oder zeigen im Gegenteil ein untypisch zutrauliches Verhalten.
- Starker Speichelfluss: Durch Lähmungen im Rachenbereich kommt es häufig zu vermehrtem Speicheln oder „Schaum vor dem Maul“.
- Unruhe und Nervosität: Infizierte Tiere wirken oft rastlos, desorientiert oder gereizt.
- Koordinationsstörungen: Unsicherer Gang, Taumeln oder Lähmungserscheinungen können auftreten.
Da Tollwutviren vor allem über den Speichel übertragen werden, stellen genau solche Tiere ein besonders hohes Risiko dar. Wichtig ist: Auch wenn ein Tier zunächst harmlos wirkt, kann bereits ein kurzer Kontakt – etwa durch Kratzen oder Ablecken – gefährlich sein.
Was nach einem verdächtigen Tierkontakt entscheidend ist
Nach einem möglichen Kontakt mit Tollwutviren ist eine schnelle Reaktion gefragt und Zeit der wesentlichste Faktor. Wer keine Grundimmunisierung erhalten hat, braucht nach einem möglichen Kontakt eine sofortige medizinische Behandlung (Postexpositionsprophylaxe). Diese besteht aus zwei aufeinander abgestimmten Maßnahmen:
- einer Impfung, die den Körper anregt, selbst schützende Abwehrstoffe gegen das Virus zu bilden (benutzen eines Aktivimpfstoffs)
- die Gabe bereits fertiger Antikörper (Immunisierung mit Immunglobulinen), die unmittelbar nach dem Kontakt wirksam werden und das Virus direkt bekämpfen
Diese Kombination ist entscheidend, da sie sowohl einen sofortigen Schutz bietet als auch den Aufbau einer längerfristigen Immunabwehr ermöglicht. In vielen Risikogebieten ist die Versorgung mit Immunglobulinen allerdings nicht verlässlich.
Tollwutkontakt nach erfolgter Impfung
In Deutschland stehen zwei gut verträgliche Impfstoffe zur Verfügung, die auf inaktivierten Viren basieren. Nach vollständiger Grundimmunisierung ist von einem nahezu vollständigen Schutz auszugehen. In dem Fall werden nach einem potentiell gefährlichen Kontakt keine Immunglobuline benötigt, sondern lediglich eine Auffrischimpfung (Booster). Diese sollte:
- möglichst am Tag des Kontakts erfolgen
- bei tiefen Verletzungen nach drei Tagen wiederholt werden
Die Impfung ersetzt nicht die ärztliche Behandlung nach einem Kontakt – aber sie vereinfacht die Therapie erheblich und kann im Ernstfall entscheidend und sogar lebensrettend sein.
Dein LeistungsPlus
Die BKK VerbundPlus übernimmt die Kosten des Impfstoffes zu 100 %. Sollte der Arzt die Behandlungskosten in Rechnung stellen, übernehmen wir zusätzlich die Kosten in Höhe von 10,00 EUR pro Impfung im Impfzyklus.
Wir übernehmen die Kosten für folgende Impfungen:
- Cholera
- FSME
- Gelbfieber
- Hepatitis A
- Hepatitis B
- Japanische Enzephalitis
- Meningokokken-Meningitis
- Poliomyelitis
- Tollwut
- Typhus
- Dengue Fieber
- Malaria-Prophylaxe
- Chikungunya
Die gängigen Reiseschutzimpfungen kann der Hausarzt verabreichen, nur in Ausnahmefällen muss hierfür eine Praxis für Reisemedizin oder ein Tropeninstitut aufgesucht werden.
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